Was macht eine gelungene Therapie aus?

Wo auch immer eine Therapie ansetzt, ob in der Vergangenheit (Psychoanalyse), am gegenwärtigen Verhalten (Verhaltenstherapie), an den Kognitionen, Emotionen oder am Körperausdruck, immer steht EIN Ziel am Ende, an dem sich der Erfolg aller Bemühungen beweist: Gelungene zwischenmenschliche Beziehungen! »ALLES WIRKLICHE LEBEN IST BEGEGNUNG“ sagte der Philosoph Martin Buber. Genau das, und noch einiges andere lehrte mich eine lebensbedrohliche Erkrankung. Was am Ende des Lebens zählt, wenn man erkennt, dass alles Materielle doch nur Theaterrequisiten sind, ist, was man charakterlich aus sich gemacht hat und was für ein Mensch man im Umgang mit anderen war.

Klares Denken und klare Werte

Hans-Ulrich SchachtnerWas wir in diesen Zeiten dringend brauchen, ist Klares Denken. Damit ist gemeint: Ein vorurteilsloser Geist betrachtet einen Sachverhalt unvoreingenommen und prüft ihn auf Stimmigkeit, Logik und Wert. Warum ist das so wichtig? Wir sind umgeben von Bildern, Reizen und Verführungen aller Art. Die Werbung und die Medien haben ihre Methoden perfektioniert, sie wissen, wie man Meinungen beeinflusst und Verhalten steuert. Nur Klares Denken kann hier die Spreu vom Weizen trennen, Unwahres erkennen und Unwichtiges aussortieren. Genau dasselbe ist auch auf dem Ausbildungs-“Markt“ dringend nötig. Glauben Sie auch, dass man an drei Wochenenden zur Therapeutin werden kann? Ein große Schar jedenfalls scheint das zu glauben und erhält dann auch am dritten Wochenende ein beeindruckend aussehendes Zertifikat ausgehändigt. Und hier kommt die Ethik ins Spiel: Finden Sie es richtig, wenn jemand durch Ausnutzen einer Gesetzeslücke einen täuschenden Eindruck mit einer gut klingenden Berufsbezeichnung zu machen versucht? In Deutschland darf sich nämlich jedermann Therapeut nennen und eine Praxis eröffnen. Er muss dazu keine Befähigung nachweisen, es reicht, wenn er in der Amtsarztprüfung des Gesundheitsamts gezeigt hat, dass er weiß, was er NICHT machen darf, z.B. ansteckende Krankheiten zu behandeln (P.S. Diese Gesetzesregelung wurde vor vielen Jahrzehnten auf Druck des Volkes erlassen, um es den, im Volke immer wieder auftretenden natürlichen Heilern, den seltenen Begabungen, zu erlauben, ihre Hilfe den einfachen Leuten zu geben, die sich keinen Arztbesuch leisten konnten). Leider wissen die meisten Menschen nicht, was einen approbierten Psychologischen Psychotherapeuten von einem Psychotherapeuten (HP) unterscheidet. Dieser Unterschied beinhaltet jahrelange Ausbildung und viel Einsatz an Mühe, Zeit und Geld (etwa 30.000 €, eine dreijährige Ausbildung plus ein Jahr unentgeltliches Vollzeitpraktikum in einer psychiatrischen Einrichtung.

Die Quereinsteiger

Natürlich hat nicht jeder die Gelegenheit, ein Universitätsstudium zu absolvieren, das ihn dann in den Stand setzt, in einer der beiden anerkannten psychotherapeutischen Schulrichtungen ausgebildet zu werden. Wenn eine Person sich trotzdem im fortgeschrittenen Alter zu diesem Beruf hingezogen fühlt, sollte es Möglichkeiten geben, diesem „Ruf“ folgen zu können. Wenn dieser Wunsch stark genug, und die persönliche Eignung vorhanden ist, wird dieser Mensch auch die Mühen und den Aufwand nicht scheuen, der damit verbunden ist, diesen Beruf fundiert zu erlernen. Die Belohnung zum Schluss ist die Befähigung, einen Beruf auszuüben, der zutiefst befriedigt und viel Gelegenheit bietet, selbst zu reifen und zu einem gütigen, weisen Menschen zu werden.

Das Angebot

In den vielen Jahren, die ich nun schon im traditionellen Feld Ärzte und Psychotherapeuten ausbilde, konnte ich aussortieren, was für die spätere Praxis wichtig und notwendig ist und auf was man verzichten kann. Die wirklich wesentlichen Einstellungen und Fertigkeiten lassen sich auch in kürzerer Zeit vermitteln. Wenn ein Student verstanden hat, worum es geht und er oft genug einem erfahrenen Therapeuten zusehen konnte, kann er beginnen eigene Erfahrungen zu machen, die dann durch Anleitung und Supervision nach und nach reifen und schließlich die nötige Sicherheit in der Behandlung anderer bringen.Aber jetzt wünsche ich Ihnen erst einmal viel Spaß beim Blättern in meinen Seiten und hoffe, dass Sie dabei inspiriert werden und genau das finden, was Sie brauchen um zu einem der besten „People-Helper“ zu werden, so wie viele der Studierenden und Kollegen, die in den letzten 30 Jahren bei mir lernten.

Welche therapeutische Schule?

Denken - Fühlen - Handeln Ich bin oft von angehenden Therapeuten gefragt worden, welche therapeutische Schule denn nun die beste wäre. Dazu habe ich eine eindeutige Antwort: Alle! Jeder therapeutische Ansatz hat etwas zum Gesamtbild beizutragen, keine Schule kann für sich beanspruchen, DIE Antwort auf alle menschlichen Probleme zu haben. Wenn sich jede therapeutische Schule als einen Baustein im Mosaik des Heilens verstehen würde, könnten wir all diese unnötigen Dispute beilegen. Die Therapien lassen sich ganz einfach gruppieren wenn man die Dreiteilung des Menschen zugrundelegt: Manche Psychotherapien betonen vor allem den Aspekt des Denkens (die sog. kognitiven Therapien), andere stellen den emotionalen Aspekt in den Mittelpunkt. Dann gibt es noch die Körpertherapien und natürlich alle Mischformen. Mit welchem Schwerpunkt Sie beginnen, ist im Grunde egal, da Sie, wenn Sie an Erfahrung hinzugewonnen haben, ohnehin Ihre Schulzugehörig- keit aufgeben werden und Ihren eigenen Stil finden, der vermutlich alle drei Aspekte des Menschen einschließt.