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Ein Volk von Therapeuten?

Wenn ich das Riesenangebot an Ausbildungen zur Therapeutin, zum Coach, zum Lebensberater und was es da sonst noch gibt, sehe, freue ich mich einerseits, dass das Thema „Mehr aus sich selbst machen“ so grosse Beachtung findet. Noch ein paar Jahre und wir haben in Deutschland pro Arbeitstätige/n jeweils einen Therapeuten, der sie/ihn psychisch fit hält.
Andererseits habe ich da auch Bedenken. Ein wachsender Markt zieht auch immer Glücksritter an, die in erster Linie die „Kohle“ sehen, die man da machen kann. Das Thema Skrupellosigkeit. Das andere Thema leitet sich direkt davon ab: Die Leichtgläubigkeit.

Klares Denken und klare Werte
Ulli SE X

Was wir in diesen Zeiten dringend brauchen, ist Klares Denken. Damit ist gemeint: Ein vorurteilsloser Geist betrachtet einen Sachverhalt unvoreingenommen und prüft ihn auf Stimmigkeit, Logik und Wert. Warum ist das so wichtig?
Wir sind umgeben von Bildern, Reizen und Verführungen aller Art. Die Werbung und die Medien haben ihre Methoden perfektioniert, sie wissen, wie man Meinungen beeinflusst und Verhalten steuert. Nur Klares Denken kann hier die Spreu vom Weizen trennen, Unwahres erkennen und Unwichtiges aussortieren.
Genau dasselbe ist auch auf dem Ausbildungs-“Markt“ dringend nötig. Glauben Sie auch, dass man an drei Wochenenden zur Therapeutin werden kann? Ein große Schar jedenfalls scheint das zu glauben und erhält dann auch am dritten Wochenende ein beeindruckend aussehendes Zertifikat ausgehändigt.
Und hier kommt die Ethik ins Spiel: Finden Sie es richtig, wenn jemand durch Ausnutzen einer Gesetzeslücke einen täuschenden Eindruck mit einer gut klingenden Berufsbezeichnung zu machen versucht? In Deutschland darf sich nämlich jedermann Therapeut nennen und eine Praxis eröffnen. Er muss dazu keine Befähigung nachweisen, es reicht, wenn er in der Amtsarztprüfung des Gesundheitsamts gezeigt hat, dass er weiß, was er NICHT machen darf, z.B. ansteckende Krankheiten zu behandeln (P.S. Diese Gesetzesregelung wurde vor vielen Jahrzehnten auf Druck des Volkes erlassen, um es den, im Volke immer wieder auftretenden natürlichen Heilern, den seltenen Begabungen, zu erlauben, ihre Hilfe den einfachen Leuten zu geben, die sich keinen Arztbesuch leisten konnten). Leider wissen die meisten Menschen nicht, was einen approbierten Psychologischen Psychotherapeuten von einem Psychotherapeuten (HP) unterscheidet. Dieser Unterschied beinhaltet jahrelange Ausbildung und viel Einsatz an Mühe, Zeit und Geld (etwa 30.000 €, eine dreijährige Ausbildung plus ein Jahr unentgeltliches Vollzeitpraktikum in einer psychiatrischen Einrichtung.

Die Quereinsteiger
Natürlich hat nicht jeder die Gelegenheit, ein Universitätsstudium zu absolvieren, das ihn dann in den Stand setzt, in einer der beiden anerkannten psychotherapeutischen Schulrichtungen ausgebildet zu werden. Wenn eine Person sich trotzdem im fortgeschrittenen Alter zu diesem Beruf hingezogen fühlt, sollte es Möglichkeiten geben, diesem „Ruf“ folgen zu können. Wenn dieser Wunsch stark genug, und die persönliche Eignung vorhanden ist, wird dieser Mensch auch die Mühen und den Aufwand nicht scheuen, der damit verbunden ist, diesen Beruf fundiert zu erlernen. Die Belohnung zum Schluss ist die Befähigung, einen Beruf auszuüben, der zutiefst befriedigt und viel Gelegenheit bietet, selbst zu reifen und zu einem gütigen, weisen Menschen zu werden.

Das Angebot
In den vielen Jahren, die ich nun schon im traditionellen Feld Ärzte und Psychotherapeuten ausbilde, konnte ich aussortieren, was für die spätere Praxis wichtig und notwendig ist und auf was man verzichten kann. Die wirklich wesentlichen Einstellungen und Fertigkeiten lassen sich auch in kürzerer Zeit vermitteln. Wenn ein Student verstanden hat, worum es geht und er oft genug einem erfahrenen Therapeuten zusehen konnte, kann er beginnen eigene Erfahrungen zu machen, die dann durch Anleitung und Supervision nach und nach reifen und schließlich die nötige Sicherheit in der Behandlung anderer bringen.Aber jetzt wünsche ich Ihnen erst einmal viel Spaß beim Blättern in meinen Seiten und hoffe, dass Sie dabei inspiriert werden und genau das finden, was Sie brauchen um zu einem der besten „People-Helper“ zu werden, so wie viele der Studierenden und Kollegen, die in den letzten 30 Jahren bei mir lernten.


Welche therapeutische Schule?

Ich bin oft von angehenden Therapeuten gefragt worden, welche therapeutische Schule denn nun die beste wäre. Dazu habe ich eine eindeutige Antwort: Alle!
Jeder therapeutische Ansatz hat etwas zum Gesamtbild beizutragen, keine Schule kann für sich beanspruchen, DIE Antwort auf alle menschlichen Probleme zu haben. Wenn sich jede therapeutische Schule als einen Baustein im Mosaik des Heilens verstehen würde, könnten wir all diese unnötigen Dispute beilegen.

Die Therapien lassen sich ganz einfach gruppieren wenn man die Dreiteilung des Menschen zugrundelegt:

DFH Dreieck
Manche Psychotherapien betonen vor allem den Aspekt des Denkens (die sog. kognitiven Therapien), andere stellen den emotionalen Aspekt in den Mittelpunkt. Dann gibt es noch die Körpertherapien und natürlich alle Mischformen. Mit welchem Schwerpunkt Sie beginnen, ist im Grunde egal, da Sie, wenn Sie an Erfahrung hinzugewonnen haben, ohnehin Ihre Schulzugehörigkeit aufgeben werden und Ihren eigenen Stil finden, der immer alle drei Aspekte des Menschen einschließt.